Book: Das Triom



Rolf Krohn

Das Triom

I

Mein Wagen wartete nur darauf, daß ich ihn auf die Spur lenkte. Auf dem Steuerpult leuchteten die orange Kontrolllampe und daneben der eingetastete Ortsname RIEGITZ. Der Lenkrechner arbeitete, der Motor summte unruhig. Dann zog das Auto weich an.

Ich lehnte mich zurück, nahm die Brille ab und ließ Nerven und Muskeln erschlaffen. Das tat gut. Ohnehin behauptete Heinz, ich arbeitete zuviel; bedachtsames Vorgehen schaffe weniger Falten, ich sei bereits dreißig.

Ich freute mich, der Aufforderung zur Reise gefolgt zu sein. Voraussichtlich würde das Leitungsteam nachmittags zum drittenmal debattieren. Über Lappalien! Da zog ich einen Landausflug vor.

Ich verdankte ihn Doktor Fendler. Wir kannten uns vom Schachclub her — seine Bitte klang allerdings merkwürdig.

«Hör mal, Toni: Mein Patient besteht darauf, einen Biotechniker zu sprechen. Sofort. Die Zeit drängt, ihm geht es miserabel. Der Krankenwagen wartet längst.«

«Worum geht's denn!«Mich ärgerte, daß er von einer Stelle anrief, die kein Videosystem besaß.

«Unbeschreibbar. Komm her! — Ach ja, wirf vorher einen Blick ins Institutsarchiv. Malloy hat früher bei euch gearbeitet. Die Adresse ist: Riegitz, Haus dreizehn… Du, ich muß nachschauen, ob Malloy… Bis dann!«

Ich ahnte, worum es sich handelte: Der Kranke hatte an seinem Haus-Biomaten gebastelt, ein wohl unausrottbares Delikt. Ein Laie mag das für geringfügig halten, der Biotechniker weiß es besser. Harmlose Manipulationen im Regelsystem lösen unberechenbare Folgen aus. - Offenbar quälte den Patienten späte Reue.Aber in gewisser Hinsicht ist ein Biotechniker auch ein Arzt; wenn man ihn ruft, muß er kommen.

Auf der Schnellstraße nach Norden nahm ich die Archivmappe zur Hand, einen dünnen Hefter — noch aus der Epoche vor der Installation des Karteicomputers. Steinzeit! Malloy? Ich kannte niemand dieses Namens, lediglich ein komplizierter synthetischer Virus hieß so. Nach dem Erfinder? Möglich. - Der Mann mußte Jahre vor meinem Eintritt das Institut verlassen haben.

Zuoberst lag der antike Personalbogen mit einem unscharfen, zweidimensionalen Farbfoto. Es zeigte einen schmalgesichtigen Mann mittleren Alters, dessen kurzgeschnittenes ergrauendes Haar an vielen Stellen auszugehen begann. Der Ausdruck seiner Augen mißfiel mir, vermutlich eine Folge der unvollkommenen Fotografie.

James Chindwin Malloy, geboren… Ei! Wenn er wie jedermann mit fünfzig aufgehört hatte zu arbeiten, lag seine Pensionierung reichlich zwanzig Jahre zurück. Damals besuchte ich die Schule — kein Wunder, daß ich ihn nicht kannte. - Seine Jugend hatte er in Australien verlebt, blieb nach dem Studium anfangs als Assistent am Institut…

Zweimal las ich die knappe handschriftliche Bemerkung am unteren Blattrand.»Wegen Verstoßes gegen § 415 der IGRP-Direktiven[1] vorzeitig pensioniert.«

«Vierhundertfünfzehn?«murmelte ich.»Die magische Zahl — der Absatz über menschliches Erbmaterial. Lieber Himmel, der Kerl hat doch nicht etwa…«

Der Lenkrechner summte auf, der Wagen minderte sein Tempo. Verdutzt wartete ich auf eine Erklärung. Die Schriftleiste leuchtete auf: NACH RECHTS! HANDBETRIEB!

Eine Kreuzung näherte sich, das Auto scherte selbständig auf die Standspur aus. Also besaß die Nebenstraße keine Leiteinrichtung.

Verdrossen setzte ich die Brille wieder auf. Sobald ich das Lenkrad erfaßte und die Füße auf Bremse und Beschleuniger stellte, verloschen Lichtband und Kontrolleuchte. Die Reise verlief jetzt wieder wie zu Großvaters Zeiten — nach Augenmaß und Reaktionsschnelligkeit des Fahrers. Natürlich war an ein Weiterlesen nicht zu denken.

Rings um Riegitz erstreckten sich ausgedehnte Buschwälder. Ich kannte die Region kaum und erfreute mich am wechselnden Ausblick auf Hügel und Teiche und die dunklen Wälder am Horizont. Hier ausspannen und die Arbeit für Wochen vergessen…

Niemand begegnete mir. Allem Anschein nach war die Gegend nur dünn besiedelt. Wohl deshalb hatte man die Straße noch nicht dem neuen Status angepaßt. Ich fühlte mich wie in einem großen Reservat.

Endlich senkte sich die Asphaltstraße in eine weite bewaldete Talmulde, aus der wenige Dächer hervorragten. Riegitz? Blieb noch das Problem, die Nummer 13 zu finden. Wo man die Häuser abzählte, war das wohl einfach.

Rechtzeitig trat ich auf die Bremse. Die Büsche hatten den winkenden Mann am Straßenrand verdeckt. Quietschend kam mein Auto zum Stehen.

«Was machst du denn hier, Harald?«

«Grüß dich, Toni«, erwiderte er hastig und setzte sich neben mich.»Ich mußte dich abpassen. Haus dreizehn steht nämlich außerhalb des Orts, und wir dürfen keine Zeit verlieren. Rechts rein!«

Während ich den sandigsteinigen Weg aufwärts steuerte und über Baumwurzeln schimpfte, die das Auto schlingern ließen, berichtete Fendler in seiner knappen Art:»Bin heute Diensthabender Arzt. Kurz vor Mittag ein Notruf an die Zentrale. Aber niemand meldete sich. Wir hielten es für einen schlechten Witz und legten auf. Es wiederholte sich, da glaubten wir an einen Leitungsdefekt. Immerhin schlug einer beim dritten Mal vor, von der Post den Anrufer ermitteln zu lassen. Man rief zurück. Dort wurde abgehoben, es blieb aber still. Darum fuhr ich auf Verdacht her.«

«Was hat Malloy?«

«Progressive Hirnlähmung, eine Art Schlaganfall. Details sagen dir nichts. Zwei Züge vor dem Matt. - Der Körper weitgehend gelähmt, aber der Bursche redet wie ein Wasserfall. Ich glaube, er will seine Angst nicht zeigen. - Er müßte sofort in die Klinik, ich rechne mit einem zweiten, letalen Schlag. Das Regelgerät kann ihn nur hinauszögern.«

Der Strauchwald lichtete sich. Der Weg führte an einem rostigen, von Ranken überwucherten Gitter entlang, hinter dem ein riesiges Unkrautfeld begann. Nach einer Kurve erwies sich der Zaun als Grundstücksumfriedung, das Unkrautfeld als verwilderter Garten mit einer zerbröckelnden Villa aus dem vergangenen Jahrhundert.

«Lieblich«, sagte ich kopfschüttelnd und stoppte den Wagen vor dem Hoftor. Unter den Bäumen stand ein weißes Krankenauto, zwei junge Assistenten hockten im Schatten einer Tanne und spielten Karten. Sie deuteten einen Gruß an.

Ich zog das Kostüm zurecht und stieg aus. Harald öffnete die Haustür.

«Wo steckt der manipulierte Biomat?«

«Biomat? Schön wär's«, meinte er.»Bin gespannt, wie Malloy die Sache darstellt. Mir wurde dabei… Hier hinein, Toni!«

2

Harald dirigierte mich ins Wohnzimmer.

Im Gegensatz zum verkommenen Äußeren war das Innere des Hauses durchaus behaglich eingerichtet. Freilich fehlte der heutige Komfort. Statt eines autonomen Klimasystems arbeitete eine Zentralheizung — die gardinenverhängten Fensterscheiben bestanden aus gewöhnlichem Glas — sämtliche Lampen schienen simple Glühbirnen oder Leuchtröhren zu enthalten — Tisch und Schränke aus Holz — es gab Ledersessel und ein breites Sofa.

Auf dem Diwan lag, in Decken gehüllt, ein kahlköpfiger Greis und starrte mich stumm an. Daneben stand ein metallener Koffer voller Kontrollämpchen. Ich erkannte das Universalsteuergerat, mit dessen Hilfe die Ärzte Herzkranke über Rhythmusstörungen hinwegbringen. Kabel verschwanden unter den Decken, wohl Meß- und Regelanschlüsse der Maschine. Eine junge Frau im weißen Kittel erhob sich, nickte uns zu und ging wortlos hinaus.

«Guten Tag, Herr Malloy. «Ich trat näher.

«Guten Tag!«krächzte er.

Sein Aussehen entsetzte mich. Kaum andeutungsweise ließ sich dieser Totenschädel mit dem Foto aus der Mappe vergleichen. Falten, Narben, vielfarbige Flecke kündeten von seinem Alter; und der graugelbe, stumpfe Ton seiner Haut schien mir ein Symptom dafür zu sein, daß er nicht mehr lange zu leben hatte. Daran änderte auch der wache, forschende Blick seiner Augen nichts.

«Der Arzt informierte mich, daß Sie einen Biotechniker sprechen möchten. Ich bin Doktor Antonia Strzyczylik vom hiesigen Institut.«

«Tschüzü…?«

«Sie können Antonia zu mir sagen. Im Institut nennen mich alle so«, fügte ich mit einem Lächeln hinzu.

«Setzen Sie sich doch. Es wird eine Weile dauern«, begann Malloy. Er sprach jetzt leise, flüssig und völlig akzentfrei. Daß es mir anfangs schwerfiel, ihn zu verstehen, lag an der Heiserkeit seiner Stimme und seiner eigentümlichen Betonung.»Mit mir geht's zu Ende. Hat wenig gefehlt, und ich war' krepiert wie ein Hund. Zum Glück fiel mir gerade noch was ein. Mir ist noch immer was eingefallen.. Schätzungsweise wissen Sie, warum ich hier vergraben bin, wie?«

«Es heißt, Sie seien wegen vier-fünfzehn pensioniert worden. «Ich suchte mir einen Stuhl.

Der Arzt betrachtete das Gerät und notierte etliche Skalenangaben. Seine gerunzelten Brauen verrieten Unmut. Endlich setzte er sich außerhalb von Malloys Blickfeld hin und knackte nervös mit den Fingern. Vom Schachspiel her wußte ich: Es stand übel um seine Figuren.

«Explizit das. Nicht meine Schuld, wenn sich die Leute affig haben.«

Auch eine Charakteristik, dachte ich. Eher für dich als für deine Richter. Mit menschlichem Erbmaterial zu experimentieren ist keine Kleinigkeit, und wegen Lappalien wird niemand in die Wüste geschickt

Doch ich sagte nichts. Was sollte jetzt noch der Streit um Worte! Im übrigen schien mir Malloys Sprechweise irgendwie.. falsch. Sie paßte nicht zu einem Mann dieser Qualifikation.

«Hatten Sie selbst jemals mit Chromosomenkorrekturen zu tun, Frau… eh…, Antonia?«

«Am Rande. Ich bin auf Konversionsfermente spezialisiert. Aber das Allgemeine weiß ja jeder.«

Er bleckte die Zähne.»Was ich Ihnen erzähle, weiß noch niemand. - Am liebsten hätte ich's selbst abgeschlossen, aber daraus wird ja wohl nichts. Daß doch…! Als man mich damals hinauswarf, kaufte ich diese Bruchbude und etliches Gerät, um meine Idee solo zu verwirklichen. Fünfundzwanzig Jahre harter Arbeit, meine ganze Pension und ständige Entbehrungen stecken darin. - Ahnen Sie, was ich schaffen wollte?«

«Den Homunkulus«, erwiderte ich so gleichmütig wie möglich, um ihm jeden Triumph zu rauben. Er war ja nicht der erste Fanatiker.

«So blöde bin ich nicht!«sagte Malloy grob.»Weshalb einen synthetischen Homo sapiens herstellen, wenn es Milliarden natürliche und ein weit billigeres Produktionsverfahren gibt? Ich wollte Neuland betreten, einen anderen Sapiens schaffen. Verstehen Sie — einen anderen!. Eine Intelligenz, die gänzlich neue Eigenschaften besitzt, Fähigkeiten, die es heute nirgendwo gibt.«

Kein Homunkulus — was dann? Weshalb hatte Harald keine Andeutung gemacht? Dann säße ich nicht wie ein Neuling einem Großmeister gegenüber, der zu jeder Sekunde das Matt erzwingen kann.

«Dabei ging ich aus von der…«Ruckartig bewegte sich sein Kopf, aber der Körper blieb schlaff auf dem Sofa ausgestreckt. »Ich wollt's Ihnen aufzeichnen, aber das geht, scheint's, nicht mehr. Verflucht! — Sie kennen den menschlichen Chromosomensatz, Frau Antonia!«

Ich nickte schweigend, hellwach.

«Ihn mit Sätzen anderer Wesen zu paaren ist unmöglich, weil sie nicht zusammenpassen. Bekannt?«

«Zum Glück geht es nicht. «Ein häßlicher Verdacht glomm in mir auf, ich dachte an den Minotaurus, die Zentauren und andere Fabelwesen. Was hatte dieser Malloy angestellt? Etwas Ärgeres als für vierhundertfünfzehn?

«Als Ausweg erwog ich, zwei Wesen zur Ergänzung zu benutzen.«

«Zwei? Ich verstehe nicht…«

«Zwei. Die Chromosomen des ersten komplettieren den einen Teil des menschlichen Satzes, die anderen den verbleibenden Rest.«

«Wahnsinn!«rief ich aus.»Solche Versuche mit Amateurmitteln und ohne Kontrolle… Zu Recht hat man Sie aus dem Institut gejagt! Unter Aufsicht hätten Sie bleiben müssen!«

Malloy schloß die Augen. Sein Totenkopfgesicht war noch grauer geworden, und mir schien, als ob sein Atem unregelmäßig ginge. Harald beobachtete sorgenvoll den Kranken und die Anzeigen des Gerätekoffers. Tadelnd blickte er mich an. Zugegeben, dieser Mann war alt und krank — nein, todkrank —, doch sollte ich deshalb lügen? Bereits einmal gewarnt, belehrt und bestraft, hatte er etwas begonnen, was weitaus ärger war als alle Homunkuli zusammen — falls es funktionierte. Zum Glück konnte es das nicht.

«Lassen Sie das Recht beiseite!«grunzte der Alte.»Doktor, führen Sie diese wutschnaubende Rachegöttin zu meinem Schützling! Mal sehen, ob die Fakten sie eines Besseren belehren.«

Wortlos erhob sich Fendler und ging voran. Im Vorraum schickte er seine Assistentin zum Kranken.

«Ich hätte nicht aufbrausen dürfen«, gab ich zu, um seinem Vorwurf zuvorzukommen.»Aber ist sich Malloy nicht darüber klar, was er anrichtet? Genetische Manipulationen am Menschen sind prinzipiell und aus gutem Grund untersagt. Bisher dachte ich, das sei langst erledigt und Geschichte…«

«Es ist erledigt und Geschichte, Toni«, erklärte Harald überraschend gleichmütig.»Malloy gehört zu den Zeitgenossen jener Entscheidung, aber er stand auf der anderen Seite. - Machen wir uns nichts vor, er liegt im Sterben. Doch sein Erbe wird uns zur Last fallen. «Er führte mich in einen Flur.

«Was für ein Erbe? Theorien, Akten, Versuche?«

«Du wirst es gleich sehen. - Übrigens fanden wir ihn dort.«

Der schlechtbeleuchtete Korridor ging in eine Treppe über. Im Kellergeschoß angekommen, gelangten wir durch zwei hermetisch abgedichtete Türen in ein zum Labor umgebautes Zimmer.

Deckenlampen erhellten den quadratischen Raum. An drei Seiten wurde er von fensterlosen Mauern begrenzt, die vierte Seite war durch einen flimmernden Metall folienvorhang verschlossen. Ein Institut hätte die Einrichtung längst zum Praktikumsbereich abgeschoben, aber tauglich war sie bestimmt. Analysatoren — eine Zentrifuge — ein kleines Elektronenmikroskop, Marke» Lupe«- in einer Ecke das Steuerpult des Mehrzweckrechners. Alle Achtung! Hier also hatte er experimentiert. Wie weit mochten Malloys verbotene Forschungen gediehen sein?

Ich schaute hierhin und dorthin. Nirgends gab es etwas vorzuzeigen. Wo waren die Zeilhybridkulturen? In einem der vielen Thermostaten?

Harald ließ mir Zeit, mich umzusehen. Heiser sagte er:»Mach dich auf etwas gefaßt!«Mit einer Kordel zog er den Vorhang rasch beiseite.

Eine durchgehende Glasfensterwand, in die eine Tür eingelassen war — eine der Scheiben war zerschlagen, die Scherben glitzerten noch am Boden. Ich trat näher. Wie von einer Loge aus blickte ich in einen großen, hell ausgeleuchteten Raum. Es lag etwa einen Meter tiefer als das Labor und war einst vielleicht die Garage der Villa gewesen. Jedenfalls hatte alloy mehrere Zwischenwände entfernen lassen, um den Platz zu vergrößern. An der Decke hingen weißviolettstrahlende Leuchtkörper, deren kaltes Licht auf einen Metalltank fiel.

«Ach, du lieber…!«

Aus dem Metalltank wuchs ein vielfältig verschlungenes Fleischgebilde von elfenbeinweißer Farbe, einem überdimensionalen Kalmar ähnlich. Rhythmisch bebende blaurote Adern zogen sich als Netz dicht unter der Haut entlang, Tentakel schwangen träge hin und her. Der formlose Rumpf schwamm in einer dunklen Flüssigkeit.

Langsam wanderten grüne Flecken von unten nach oben durch die Oberhaut wie riesige Blattläuse auf einem Stengel, und die Arme pendelten und blähten sich wie Preßluftschläuche unter Druck. Ein Krake?

«Was ist das? Harald, was ist das?!«

«Das müßtest du doch wohl eher wissen«, erwiderte er, grau im Gesicht.»Ich kenne das ja nun schon… Du weißt, ich kam mit dem Notarztwagen. Weil niemand auf unser Klingeln hin öffnete, drangen wir ein. Das Telefon im Wohnzimmer war nicht abgehoben, daher suchten wir nach einem Zweitapparat. Ich stieg in den Keller, kam ins Labor, hörte schwache Rufe und fand Malloy da drüben an den Rohrleitungen — bei Bewußtsein, aber erschöpft. «Harald wandte sich mir zu.»Als ich das da sah, wurde mir übel. Ich bin solche Dinge nicht gewöhnt. - Malloy weigerte sich, in eine Klinik gefahren zu werden, und bestand darauf.. Angerufen hätte ich dich ohnehin, das Tier muß ja liquidiert werden. - Komm, mir wird wieder schlecht!«

Aus dem Tank quoll neue Masse hoch, stülpte eine Blase auf dem Leib des kalmarähnlichen Tieres aus. Auch mir stieg Übelkeit in die Kehle, aber ich wartete und beobachtete das Geschehen. Die Blase verfärbte sich ins Schwärzliche, die Fangarme senkten sich langsam wie ermüdete Blütenzweige.

Dann erstarrte alles, und nur der Puls des Wesens bebte rhythmisch weiter.


3

Während wir sein Geschöpf besehen hatten, hatte Malloy offenbar die letzten Kräfte zusammengerafft. Sein Blick war klar und verriet etwas von dem Starrsinn, der ihn die Gesetze des Internationalen Forschungsprogramms für Genetik übertreten ließ.»Na, wie gefällt Ihnen das Triom?«erkundigte er sich mit einem Anflug von Heiterkeit.

«Abscheulich«, erwiderte ich.»Wenn das ein Fortschritt sein soll, müssen Sie wenig von Fortschritt verstehen.«

«Was sein wird, wird sein. Erwarten Sie von mir die Arbeit ganzer Institute? Ich will Ihnen erzählen, was ich tat. Mir ist verdammt schwindlig im Kopf…«

«Machen Sie rasch, Malloy!«warf Harald ein und schaltete mit gerunzelter Stirn am Apparat.»Sie müssen schleunigst in die Klinik. Das Reden ist Gift für Sie.«

«Weiß selbst, die Zeit drängt. - Mein Computerchen berechnete mehr als hunderttausend theoretische Kombinationen, um den Chromosomenpartner zu bilden. Die Liste liegt in meinem Safe. Postum könnte es gar zum Nobelpreis reichen. «Er kicherte.»Dann begannen langwierige Experimente, Sie kennen so etwas.«

«Moment mal«, unterbrach ich ihn.»Woher hatten Sie das Material?«

«Nehmen wir an, ich fand's auf der Straße.«

«Unfug. Zellkulturen liegen nirgends herum. Haben Sie sie etwa gestohlen?«

«Spielt das heute noch eine Rolle? Gekauft, Frau Antonia, von Unehrlichen ehrlich erworben. Bestechliche Menschen gab es seit je. - Natürlich schlugen neunundneunzig Prozent meiner Versuche fehl. Aber nach sieben fruchtlosen Jahren erzielte ich bei einem Dutzend verschiedener Hybriden Zellwachstum.«

Die Mischung aus Zynismus und Lässigkeit trieb mir das Blut in die Wangen. Doch besann ich mich darauf, daß dieser Sterbende bereits personifizierte Vergangenheit sei, und schwieg.

«Zugegeben, die Aufzucht hatte ich mir leichter vorgestellt. Immer wieder gingen die Keimlinge ein, wohl wegen grundverkehrter Behandlung. Was wollen Sie! Die Natur kennt keine vergleichbaren Wesen; der Satan allein mochte ahnen, wie man sie zu versorgen hatte. Die meisten kriegte ich trotz aller optimierenden Tricks nicht durch die Frühstadien. Zuletzt hielt nur mehr das Triom T 72 C stand, eine extrem widerstand fähige Konstellation. Sie haben es gesehen.«

«Leider. Wieso eigentlich Triom?«

«Das Recht der Namenswahl steht dem Konstrukteur zu, Frau Antonia. Nach einem Bedenken entschied ich mich für Trichromosom, kurz Triom. Schließlich sind drei Partner an der Zeugung beteiligt. Im Fall T 72 C halfen ein südamerikanischer Zwergfisch und eine Meeralgenart. Die exakten Daten sind im Safe.. Sagte ich wohl schon.«

Am liebsten wäre ich aufgestanden und hätte die Tür hinter mir zu geschmettert. Doch das war untunlich. Eine Untersuchung mußte anberaumt werden, und die Kommission brauchte neben den Fakten fundierte Aussagen. Doktor Fendler verstand zuwenig von der Materie. Andere Experten heranzuziehen war riskant, unterdes dürfte Malloy sterben. Nein, private Gefühle mußten zurückstehen.

«Mein Triom steht außerhalb aller irdischen Lebensformen, ist weder Pflanze noch Tier. «Es klang stolz.»Haben Sie die grünen Flecken gesehen? Da wird foto synthetisch Traubenzucker produziert. Andererseits besitzt T 72 C Muskeln und Nerven, übrigens auch eine Art Ohr. Augen werden dagegen nur bedarfsweise ausgebildet. Ich verstehe das noch nicht…«

War jene schwarzglänzende Blase ein Auge gewesen? Nachfragen und dadurch mein Interesse zeigen? Lieber bisse ich mir die Zunge ab.

Andererseits, eine Leistung war diese Synthese, diese Züchtung schon.

«Die Arme sind Extremitäten im tierischen Sinn, sie führen dem Mund Nahrung zu. Hingegen gibt es im Tank ein Wurzelgeflecht, um Salze aus der Flüssigkeit zu saugen. Ich habe einen Speiseplan aufgestellt, vor allem der Spurenelemente wegen — halten Sie sich bitte genau daran, wenn ich in der Klinik bin, auch später..«

Erstmals hatte Malloy» bitte «gesagt. Offensichtlich zerbröckelte seine Kraft. Die Adern an den Schläfen schwollen, die Lippen zitterten, Schatten dunkelten unter den Augen.

Zweifellos war die Quelle seines Redestroms der Wunsch, sich abzulenken. Er fürchtete den Tod. Durchaus menschlich.

«Wozu das?«fragte ich endlich.»Sie wußten doch vorher, daß die Gesetze Ihre Versuche verbieten; bei Ihrer Bildung kannten Sie auch die Gründe. Was bezweckt Ihr Drauflosexperimentieren?«

In Malloys faltigem gelbgrauem Gesicht zuckte es. Er blickte mich auf merkwürdige Weise an und sprach in gewandeltem Ton weiter. Wäre nicht die heisere Stimme gewesen, man hätte glauben können, dort liege ein anderer Mensch.»Frau Antonia, Sie sollten mich nicht für einen Narren halten. Mein Ziel ist… Intelligenz, und mein Gedankengang war so: Ein komplizierter Chromosomensatz dürfte ein komplexes, vielseitiges Wesen produzieren. Zugegeben, ich tappte ins Dunkle — aber einer muß doch vorangehen. Sie haben T 72 C gesehen, für wie intelligent halten Sie ihn?«

Ich wechselte einen Blick mit Harald. Intelligent?

«Hatten Sie erwartet, daß mein… Produkt Befehle versteht und ausführen kann? Ich sehe Ihr Erstaunen. Meinen Sie, mir ging es anders? Ich rechnete damit erst nach etlichen selektierten Generationen von Triomen. - Weil es mir an Partnern für Debatten fehlte, gewöhnte ich mir Selbstgespräche an. Vor einem Jahr bemerkte ich bei der Auswertung von Nervenimpulskurven, daß das Triom zielgerichtet reagierte!

Im ersten Jubel wollte ich die ganze Welt herrufen, doch dann dachte ich an Ihre albernen Direktiven und beschloß, unbestreitbare Beweise zu schaffen. Tag und Nacht übte und schulte ich das Triom. Bald schon… Leider kam mein Schlaganfall dazwischen«, seufzte er.

«Dressur hat nichts mit Intelligenz zu tun, Herr Malloy. Ein Papagei kann sogar sprechen, ohne daß…«

«Studieren Sie die Protokolle! Das Triom handelt konsequent. In den nächsten Tagen wollte ich systematisch mit mathematischen Gesetzen anfangen. Nun müssen Sie das tun…«

Niemand antwortete ihm. Harald blickte abwechselnd auf seine Armbanduhr, auf das Steuergerät und zu mir. Sein Gesicht verriet höchste Sorge. Diese sinnlose Unterhaltung mußte abgebrochen werden. An mir war es zu handeln.

«Verschieben wir das, Herr Malloy. Eine Frage noch, bevor Sie in die Klinik gefahren werden: Kann in Ihrem Haus während Ihrer Abwesenheit irgendein Unheil geschehen? Auf Grund laufender Versuche etwa…«

Der Kranke schüttelte den Kopf, was ihm sichtlich Schmerzen bereitete.»Ich muß Ihnen das erzählen! Mein Triom unterscheidet eine Farbskala mit vierundzwanzig Nuancen…«

«Jaja«, sagte ich beklommen. Besaß dieses Wesen tatsächlich Funken von Intelligenz? Das wäre folgenschwerer als der erste Atombombenabwurf. Eine andersartige Vernunft auf der Erde durfte es nicht geben!

«Hören Sie!«stieß Malloy hervor.»Das Triom hat mir das Leben gerettet! Zahlt das nichts? Oder was glauben Sie, wer die Fensterscheibe zerschlug, den Telefonhörer von der Gabel nahm und die Notrufnummer wählte? Wenn es nur sprechen könnte!«

Harald stand auf.»Das führt zu nichts. Wir haben keine Zeit mehr. Malloy, Sie müssen sofort auf den Operationstisch. Die Anzeichen sind so ernst.. Ich kann das nicht verantworten und will nicht für Ihren Starrsinn gerüffelt werden.«

Er eilte aus dem Zimmer.

«Solch ein Unsinn!«raunzte Malloy.»Die Verantwortung liegt bei mir, und mit mir ist's sowieso aus. Ich merke es. Aber ein Vierteljahrhundert umsonst gearbeitet zu haben…«

«Wir kümmern uns um das Triom.«

Er lächelte erleichtert. Da verkrampfte sich das faltige Gesicht. Auf dem Kontrollschirm des Steuergeräts wetterleuchteten die Lämpchen einen schicksalsschweren Moment lang, dann unterlag die Elektronik, und die Zeiger fielen in die Ruhelage zurück.

Die Tür ging auf. Harald und die zwei Assistenten kamen herein. Auf halbem Weg blieben sie stehen.»Schon?«

«Schon.«

«Als ob er gewußt hatte, daß ihm keine Zeit mehr blieb«, meinte der Arzt nachdenklich.»Vielleicht ist es so am besten. — Helft mir, die Anschlüsse abzumontieren!«

4

Ich setzte mich an Malloys Schreibtisch. Wo lagen die Daten über das Triom? In diesem Wust durcheinandergeworfener Papiere spezielle Unterlagen zu finden war eine Sisyphusarbeit. Das dauerte Stunden. Andererseits mußte ein Forscher wie er ein Expose haben, um selbst den Überblick zu behalten. Erfahrungsgemäß war das eine dicke Heftmappe.

Ach, da lag doch… die Große Direktive, wie wir es nannten: ein dünnes Buch mit fünfhundertzwanzig Paragraphen des IGRP. Ich blätterte: 410, das Verbot unkontrollierter Versuche, 415, die Strafandrohung für Gesetzesbrecher. Welcher Absatz betraf die Produkte genetischer Manipulationen? Da, 412!

Harald trat ein, sah mich an. Er sagte nichts.

Ich studierte den Text. Die Details hatten mich nie interessiert. Schweigend wies ich ihm den Artikel vor.

«>Nach Absicherung des Terrains sind illegal synthetisierte Produkte unter Beachtung der Sicherheitsvorschriften adäquat zu liquidieren. Eine Dokumentation ist der Bezirksbehörde vorzulegen.< Also Liquidation… Wie und womit?«fragte er.

«Mit einer größeren Dosis Thanatin. Ich habe allerdings nur die Normalpatrone im Gepäck. Bei einem so unklaren Metabolismus empfiehlt sich wohl eine Spraydose. Ich möchte das Triom nicht quälen.«

Auf den Lippen kauend, legte ich das Büchlein zurück und schnippte unsichtbare Stäubchen vom Kostüm.

«Thanatin muß ein sehr spezielles Gift sein, wenn ich es nicht mal dem Namen nach kenne.«

«Es blockiert selbst den abartigsten Zellrhythmus schlagartig. Bei synthetischen Wesen kann man sich nicht auf Blausäure verlassen; darum wurde diese Chemikalie erfunden.« .

«Und deine Dosis reicht nicht?«

Ich zuckte die Achseln. Neunundneunzig Prozent unserer Einsätze bezogen sich auf manipulierte Biomaten. Ein Triom war etwas anderes.»Ich müßte jemand herbitten…«

«Tue es, Schachschwester. Das Monster muß beseitigt werden!«

Ich schwieg. An sich gab es nichts zu bedenken. Paragraph 412..»adäquat liquidieren!«Dennoch, das Zitieren von Gesetzen ersetzte nicht das Wissen um ihre Gründe. An einiges erinnerte ich mich aber doch; vielleicht war es sogar gut, sich diese Hintergründe zu vergegenwärtigen. Die Routine hatte manches verschüttet.

«Müssen wir gleich entscheiden? Können wir entscheiden?«Hatte ich es gesagt oder nur gedacht?» Weshalb soll das Triom unverzüglich sterben?«

«Das Gesetz«, erwiderte er.»Du kennst es besser als ich. Da liegt das Buch!«

Vor zwei Minuten noch würde ich es blind unterschrieben haben. Jetzt aber hatte ich angefangen nachzudenken.»>Unverzüglich «steht dort nicht. - Wir sollten nachdenken, schon wegen der gewünschten Dokumentation.«

«Die Dokumentation ist gewiß nicht gemeint, sondern die über die Beseitigung.«

«Auch das steht nicht explizit dort. - Malloy behauptete, das Triom zeigt Ansätze von Intelligenz. Wenn es nun tatsächlich Verstand hat?! — Vielleicht ist das Wesen in ausgewachsenem Zustand so klug wie wir, nur eben ganz anders: Malloys Intention. Niemand wird ungehört verurteilt.

Um in deinen Worten zu reden, Schachbruder: Willst du jeden aus dem Club ausschließen, der eine unkonventionelle Eröffnung wählt?«

«Ja, willst du das Monster… großziehen?!«

«Das Triom existiert. Mir wäre bedeutend wohler, wenn man früher eingegriffen hätte. Aber es ist entstanden. In meinen Augen handelt es sich um…, um ein ungewolltes, wegen Unkenntnis falsch erzogenes, verkrüppeltes Kind… Oder stell dir das vor: Ein junger Mensch erwacht nach einem Unfall gelähmt und geistig irreversibel gestört. Willst du ihn töten, nur weil er zeitlebens jenseits unserer Gesellschaft stünde?«

Er senkte den Kopf und schwieg.

«Im übrigen sage ich eins: Ein Gesetz, dessen Berechtigung mir niemand verständlich darlegen kann, bindet mich nicht.«

«Ich bin nicht die Kommission«, warf er ein,»ich kann ihre Prinzipien nur schlecht formulieren.«

«Einverstanden. Aber das ist nicht schlimm. Sobald wir den Fall gemeldet haben, kreuzen die Experten auf.«

«Ich glaubte fast, du wolltest es verschweigen.«

«Harald! Nein, aber jenen Leuten gegenüber werde ich die Rechte des Trioms verfechten, und wenn ich vor den Internationalen Gerichtshof gehen müßte. Wir sind in diese Sache gestolpert, aber man muß sich mit Würde herausziehen.«

«Toni, du hast mich in eine Falle gelockt, aber matt bin ich noch nicht. - Unterstellt, wir sprächen dem Triom die üblichen Rechte zu: Dürfte es dann nicht Partner fordern? Selbstverständlich, denn jeder hat ein Recht auf Gemeinschaft. Weitere Triome müßten produziert werden. Willst du das?«

Ich zögerte. Keine leichte Frage.

«Weiter: Es kann ein freies Leben beanspruchen, aber wo? Die Erde mit ihren biologischen, klimatischen und geografischen Verhältnissen scheidet für solche Wesen wohl aus. Im ganzen Sonnensystem gibt's keinen geeigneten Planeten. Darüber hinaus wird unsere Raumfahrt in absehbarer Zeit kaum kommen. Die Hybriden müßten auf Generationen unter Glas leben — vegetieren. Ausgeschlossen.«



Unrecht hatte er nicht. Oder?» Halt, halt! Vorerst wissen wir beinahe nichts über die Umweltbedingungen, die ihm zusagen. Sie können sich kaum allzusehr von den unseren unterscheiden — das Triom entstand schließlich aus Erdwesen-Chromosomen. «Da er nachdenklich wurde, bekam ich Oberwasser.»Außerdem ist noch nicht sicher, daß es intelligent ist und somit Rechte besitzt.«

Harald schüttelte den Kopf.»Ein Kalmar, pfui!«

«Auch ein Häßlicher ist ein Mensch. Komm, schauen wir das Triom noch einmal an. Anschließend rufe ich meine Chefs an und löse die Lawine aus.«

Er folgte mir schweigend.

Handelte ich richtig, die Erfahrungen einer ganzen Generation zu attackieren? Sie hatten dem ungezügelten Wissensdurst scharfe Bremsen eingebaut. Aus triftigem Grund. Aber die Situation war heute anders. Und da niemand um nichts eine diesbezügliche Debatte anstoßen würde, kam der Fall Malloy gerade recht.

Wir standen an der Glasfront und beobachteten die lebende Skulptur.

«Eklig, abnorm. Das Ding muß eliminiert werden!«

«Und mir tut es irgendwie leid. Es hat doch noch gar nicht gelebt.«

«Leid? So etwas Widerliches!«Er lachte gereizt.

Zugegeben, der Anblick erregte Schwindel, ja Übelkeit. Ob es am kalten bläulichen Licht lag?

Ein Ruck ließ mich taumeln. Harald war gegen mich gestürzt und klammerte sich instinktiv fest. Grau war sein Gesicht und entsetzlich alt.

«Ich…, ich muß mich setzen. Mir ist so… schwindlig.«

Ich schob ihm den Stuhl zu und drückte ihn hinein.»Leidest du an Kreislaufschwäche? Ein schöner Arzt, der nicht auf sich achtgibt! Brauchst du die Nothilfe, deine Assistenten?«

«Nein… Gehen wir nach oben! Das muß das Triom sein.«

Das Triom? Ich blickte auf die nervös pendelnden Arme des Krakenwesens, auf sein Pseudoauge, spürte etwas wie.. einen lautlosen Ruf in mir, begriff und zog in instinktiver Reaktion den Folienvorhang zu.

«Mir ist besser. «Harald atmete auf. Er sah freilich immer noch krank aus.»Räumen wir trotzdem lieber das Feld! Ein heimtückisches Wesen, der Kalmar!«

«Ich glaube, ich begreife. Er wollte sich mit dir verständigen. Wollte dir sagen, daß du ihm unrecht tust.«

«Umbringen wollte er mich!«

«Wenn er das gewollt hätte, wärst du schon tot.«

«Die Zeit reichte ihm nicht, der Vorhang hat es verhindert.«

«Denkbar. Doch warum hat es nur dich getroffen, warum nicht mich? Es ist ganz klar, er versteht uns. Da ich Mitleid mit ihm hatte, wußte er mich auf seiner Seite.«

«Ein Anschlag auf mich also!«

«Im Gegenteil. Denk an Malloy. Wo hast du ihn gefunden?«

«Nebenan, dicht vor der Glaswand.«

«Und du glaubst, er wollte Malloy, seinen Nährvater, umbringen? Auf daß ihn fortan niemand versorgen würde?«

Darauf antwortete er nicht.

«Noch einmal: Wie wir durch Malloy wissen, kann das Triom hören und wohl begrenzt verstehen. Das da halte ich für einen Versuch, sich zu äußern — zu sprechen, wenn du so willst. Es wollte dir etwas sagen, darum wurdest du betroffen und nicht ich. - Wie konnte das Triom die Folgen ahnen? Es ist nicht bösartig und war sicher verwundert, als der Versuch, seinem Erzeuger etwas mitzuteilen, diesen umwarf.

Nach dem Schlaganfall gehorchte es seinem Befehl und alarmierte die Nothilfe. Das ist doch kein Anschlag.«

«Es war kein Schlaganfall«, murmelte er.

«Einverstanden, diese… progressive Lähmung. Ein Unfall mit tödlichem Ausgang. Ich wette, es hat sich diesmal bereits gemäßigt; obendrein bist du jünger und wirst es überstehen. Die Sache hat ihr Gutes. Wie kennen jetzt den Kontaktpfad.«

Wir waren im Vorraum. Ich schob Harald in einen Stuhl, lief hinaus und rief seine Mitarbeiter, damit sie sich um ihn kümmerten. Dann ging ich in Malloys Arbeitszimmer und nahm das Telefon.

«Bitte die Auskunft! Mit welcher Vorwahl erreiche ich von hier aus die Regionalkommission für Menschenrechte? Danke, ich warte…«

Примечания

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IGRP: Internationales Forschungsprogramm für Genetik




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